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Wenn du Buddha triffst, töte ihn! Ein Selbstversuch

Martina Strauss sprach mit dem Mann, der meist drei Viertel jeden Jahres auf Reisen ist und nur ein Viertel zu Hause, in Paris.

Andreas Altmann ist ein Haudegen, so scheint es; ein Abenteurer, einer, den es in die Welt treibt. Reisend, erkundend, fragend. Immer wieder. Er schrieb Reportagen für das ZEIT-Magazin, viel für GEO. Für seine Arbeiten ist er u. a. mit dem Egon Erwin Kisch-Preis, den Seume-Literaturpreis und dem Globetrotter-Reisebuch-Preis ausgezeichnet worden. Mittlerweile ist sein bereits 13. Buch erschienen „Wenn du Buddha triffst, töte ihn! Ein Selbstversuch“.

Andreas, deine Vita würde wahrscheinlich jeden Personalchef schockieren. Du hast Dutzende Berufe von Spüler, Privatchauffeur, Anlageberater, Straßenbauarbeiter, Buchclubvertreter bis Nachtportier, Dressman, Postsortierer, Parkwächter, Fabrikarbeiter ausgeübt, warst Schauspieler bevor du Reisender und Reporter wurdest. Waren diese Berufe nur Überganssituationen, die dich irgendwann gelangweilt haben? Wolltest du immer neue Möglichkeiten ausprobieren? Was hat dich final zum Reisen und Schreiben gebracht?

Alles, was nicht kreativ ist, langweilt, denn Stumpfsinn ist die erste Todsünde. Ich bin von einem zum anderen Beruf geirrt, weil ich nach etwas suchte, was mich begeistern könnte. Und weil ich Kohle brauchte, auch das. Und nichts war dabei, was Swing in mein Leben gebracht hätte. Und warum Reisen und Schreiben? Weil ich das alles nicht konnte. Und weil ich das Leben nur aushalte, wenn ich mich bewege und etwas tue, was mich (und andere auch, hoffentlich) anfeuert. Und es kann, gut kann.

Was fasziniert dich am meisten bei deinen Reisen: das Neue, Andere, das sich bewähren müssen, die Menschen?

NEUE Fehler begehen zu dürfen. Dem Ranz des Alltags entfliehen zu können. Nicht jeden Tag denselben Grind aushalten zu müssen. Und mit dem Wunder der deutschen Sprache die Wunder der Welt „übersetzen“: in Buchstaben, in Worte. Deshalb: Reisen.

Auf deiner Website taucht unter deiner Kontakt E-Mail der Name atsinganos auf, was man mit Zigeuner übersetzen kann. Siehst du dich als einen Zigeuner, einen Nomaden, einen Nicht-Sesshaften?

Ja, was denn sonst? Oder soll ich mir ein Wüstenrothäuschen kaufen, es abstottern und mir irgendwann überlegen, ob ich mich allein umbringe oder vorher noch meine Wüstenrothäuschen-Frau überrede, mit mir gemeinsam ins Wasser zu gehen. Um endlich der grandiosen Fadheit unseres Lebens zu entgehen?

Du bist begeisterter Reisender und Schriftsteller. Was erfüllt dich mit mehr Freude: das Reisen, das Erleben und Erkunden selbst oder dieses Nachschmecken, Verarbeiten beim Schreibprozess danach?

So gehts nicht, ich spiele das Eine nicht gegen das Andere aus. Ich halte es mit Camus: „Es gibt eine Zeit zu leben und eine Zeit zu bezeugen.“ Das eine so unabdingbar wie das Andere. Solange beide „sinnlich“ sind, die Sinne anregen, sollen mir beide recht sein.

Henry Miller war nicht nur ein großartiger autobiografischer Schriftsteller, der dem Leben zutiefst huldigte, sondern auch der Verfasser kritischer (Reise)Berichte wie z. B. „Der klimatisierte Alptraum“, in dem er seine Beobachtungen und Erfahrungen seiner USA-Reise niederschreibt. In einem deiner Interviews sagtest du, dass dir die Aufforderung von Miller „Stay Hungry“ gefällt. Dieses hungrig bleiben ist auch dir ein Anliegen. Aber, will und muss man nicht irgendwann auch einmal satt werden? Einen Punkt erreichen, wo man sagen kann. Ja, es ist gut, jetzt habe ich alles. Ich bin angekommen, ich bin zufrieden?

Ich kann deine Frage nicht ernst nehmen. Als ob es JE einen Zeitpunkt gäbe, an dem es GENUG wäre. Eingedenk dessen, was die Welt und die Weltbewohner zu bieten haben und eingedenk der skandalösen Kürze des Lebens, um davon zu erfahren. Ich lache jeden aus der sich einbildet, er habe „genug“ gelebt. Was für ein Angeber.

In deinem letzten Buch geht die Reise vorwiegend nach innen. Du setzt dich hier ganz aktiv mit dem Buddhismus auseinander. Beschäftigt hast du dich mit ihm ja schon seit Jahren, du hast schon in einem buddhistischen Zen-Kloster in Japan gearbeitet. Wie kam es nun ausgerechnet jetzt mit diesem Buch? Was verbindet dich mit dem Buddhismus?

Naja, gearbeitet habe ich dort nicht, abgesehen vom Abspülen und Boden schrubben. Die meiste Zeit hockte ich herum und meditierte. Warum jetzt das Buch, das ja nicht von dieser Zeit handelt? Weil ich es in mir „vermutet“ hatte. Weil jetzt die ZEIT dafür gekommen war. Mit dem Buddhismus verbindet mich Eleganz, Sachtheit, Klugheit. Und jene zwei Forderungen, die mir am innigsten gefallen: Mitgefühl für andere und Verantwortung für dein Tun! Und ich mag ihn, den Buddhismus, weil ich als Ex-Katho seit Jahrzehnten genug von den christlichen Gräuelmärchen habe, die von einem „Gottessohn“ schwadronieren, der am Kreuz geschlachtet werden musste, um mir das Onanieren zu vergeben. Diesen debilen Stuss habe ich als Kind im Religionsunterricht gelernt.

Was ist bei dem Selbstversuch herausgekommen?

Nicht viel, denn ich bin ein nervöser Zeitgenosse. Aber ich habe wieder einiges begriffen, über andere, über mich. Auch, wieder, erfahren, dass Meditation – ganz und gar gottlos – die Lebensfreude antreiben kann. Oder beim Schrumpfen des Egos aushilft. Oder Wege aufzeigen kann, um der weltweiten Verblödung zu entkommen. Zeitweise, immerhin.

Mit der Ichlosigkeit, die im Buddhismus angestrebt wird, sagtest du in einem deiner Interviews, kannst du weniger anfangen? Fällt das uns Westlern besonders schwer?

Ich bin auch kein Aufsager des Buddhismus geworden. Auch Herr Buddha war nur Mensch, sprich, fähig, Fehler zu machen. Die Ichlosigkeit ist ein spiritueller Hokuspokus. Nehmen wir den Satz von Salman Rushdie, der ist hinreißend schön und kommt ganz ohne esoterischen Klimbim aus: „Das vielleicht größte Geschenk, das die Renaissance unserer heutigen Zeit gemacht hat, ist die Entdeckung des Individuums und die Idee von einem souveränen und einzigartigen Selbst.“

Der zunächst etwas provokant klingende Titel deines neuen Buches „Wenn du Buddha triffst, töte ihn.“ geht, meinen Recherchen zufolge, zurück auf einen Ausspruch von Rinzai Gigen, einem Zen-Meister des neunten Jahrhunderts. Warum hast du ihn gewählt?

Weil er genau das sagt, was meinem Lebensgefühl entspricht: No guru! No master! No Heilslehre! Ich bin nicht als Schaf auf die Welt gekommen und ich werde nicht als (nachblökendes) Schaf abtreten. Ich werde mein flott entwickeltes Hirn in Betrieb nehmen und immer – unverbrüchlich immer – für mich entscheiden, ob ich etwas für richtig halte oder nicht. Ob Herr Buddha, ob Herr Jesus, ob Herr Mohamed, sie alle kommen auf die Schlachtbank der Kritik. Ich blöke nicht, ergo bin ich. (Schon wieder nicht ego-los!)

Wenn man viel – wie du ein Großteil seiner Zeit – auf Reisen ist, wird da auch ein Zuhause wichtiger? Wo man nicht oft sein muss, von dem man aber weiß, es ist da?

Weiß nicht recht. George Steiner, der Welt letztes Allroundgenie, sagte einmal, dass sich seine Heimat dort befindet, wo ein Kaffeehaus steht und seine Schreibmaschine. Ich traue mich anzufügen, dass meine Heimat da ist, wo ich mich am Leben fühle. Wo meine Freunde sich befinden. Wo Geist umgeht.

Du bist wie du bekennst, jemand, der der Schönheit auf der Spur ist. Hast du dir als Wohnsitz Paris gewählt, weil diese Stadt deiner Vorstellung von Schönheit am nächsten kommt?

Wie klug deine Schlussfolgerung ist. Ich wohne da, wo es schön aussieht. Deshalb Paris und nicht Murmansk. Und deshalb bin ich ja Schriftsteller geworden, weil die deutsche Sprache das Schönste ist, was die Deutschen erfunden haben.

Wenn man so viele Flecken und Länder dieser Erde schon kennt, welche Ziele bleiben? Gibt es ein ultimatives Traumziel?

Nein. Ich träume nicht, ich realisiere.

Andreas Altmann ist von Mitte Oktober bis Mitte November 2010 auf Lesereise in Österreich und Deutschland unterwegs.

Termine der Lesereise, Näheres zu seiner Vita und seinen Büchern nachzulesen auf der Website: www.andreas-altmann.com. Sein aktuelles Buch „Triffst du Buddha, töte ihn“ ist im Dumont Verlag erschienen und kostet 18,90 €.

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