Spiritualität will erfahren werden
Oft sind diese Erfahrungen für uns positiv, sie können aber auch alte Wunden aufbrechen lassen oder uns verunsichern und sich sogar miteinander vermischen.
Gelegentlich verändern sich die Erfahrungen mit der Zeit und kehren sich ins Gegenteil um – so können unerwartete Momente und in der Zukunft inneren Frieden und Wissen schenken. Dass sich unser Leben durch manche Erfahrung dauerhaft verändert, in anderen Fällen aber die Einflüsse so gering sind, dass die Erfahrung nach kurzer Zeit verblasst, liegt am Beginn des Umgangs mit einem neuen Lebensgefühl, das durch Yoga entsteht.
Es soll beim Yoga jedoch nicht darauf abgezielt werden, möglichst viele Erfahrungen anzuhäufen, sondern es ist wichtig, sich auf sie vorzubereiten und zu lernen sie sinnvoll in unser Leben zu integrieren. Schließlich handelt es sich hierbei nicht um eine Freizeitbeschäftigung – die Yogapraxis soll uns zu einer höheren Bewusstseinsentwicklung verhelfen. Dabei muss man erkennen, welcherlei Erfahrung uns auf dem Weg begegnet.
Spirituelle Erfahrungen spiegeln die Fülle des Lebens wider
Wenn wir begründen, warum wir uns mit spirituellen Praktiken beschäftigen, dann kann ein Punkt der Wunsch sein, sich auf der Ebene des Herzens mit der Ganzheit des Universums zu verzahnen. Oft sind erste Erfahrungen von Spiritualität so überwältigend wie die erste Liebe. Aber wie in der Liebe gilt auch hier, dass mit der Erfahrenheit die Tiefe wächst und die Spiritualität zu einem normalen Lebensbestandteil werden kann. Ist unser yogischen Leben bestimmt durch Beständigkeit, können andauernde spirituelle Erfahrungen die des äußeren, weltlichen Lebens überdecken. Ein spontaner Wechsel in eine andere Bewusstseinsebene wird uns leicht fallen und wir können auf jedwede Ablenkung von außen verzichten – wir fühlen einen inneren Frieden.
Es wird der Energiefluss der Erfahrungen sein, die sich nicht mehr als einzelnes Ereignis voneinander trennen lassen. Yoga-Shakti – auch als Kraft des Yoga zu sehen – bringt uns eine ungeahnte Energie, die das Eintreten in die spirituelle Welt der Wahrnehmung möglich macht, in die Menschen sonst nur schwer Einlass finden. Dabei treiben wir auf einem Strom von Erfahrungen in die gewünschte Tiefe und Richtung. Wer Yoga ernsthaft praktiziert, der wird sich mit dem absorbierten Geisteszustand, dem Samadhi beschäftigen. Hierin ist eine Gipfelerfahrung von Geist, Herz und Sinn zu erkennen, die – außer beim Yoga – auch durch die Einnahme von Trance fördernden Drogen oder im Schlaf auftreten können.
Für Samadhi ist deshalb eine fundierte Anleitung durch einen Lehrer erforderlich, denn die Auswirkungen auf den Erfahrenden können im negativen Fall sogar Orientierungslosigkeit und Egozentrik sein. Nicht die daraus entstehenden Siddhis, negative Kräfte die andere schädigen können, sondern positive Samadhis, die uns die Kontrolle über unseren Geist und unser inneres Selbstverständnis geben sollen, sind das, was wir erreichen wollen.
Vor allem aber sind die Samadhis nur ein weiterer Schritt auf dem Weg in eine höhere Bewusstseinsebene und längst nicht das zu erreichende Endziel. Unzählige Erfahrungen liegen auf diesem Weg zur Spiritualität, in der wir ebenso vielen Wahrnehmungen und Kreaturen begegnen können und die uns der Natur, der Erde, der Atmosphäre näher bringen. Dass bei diesem Abenteuer ähnlich viele Fallstricke auf uns lauern, wie bei einer Gipfelbesteigung, sollte uns vor dem Beschreiten des spirituellen Weges bewusst sein.
Nach einem Artikel von Dr. David Frawley für Yoga aktuell.








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