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Unser freier Wille im Fokus der Wissenschaft

Ist die Existenz des freien menschlichen Willens wissenschaftlich beweisbar? Die aktuellsten Erkenntnisse der menschlichen Hirnforschung widerlegen das ganz klar. Die Grundlagen des Yoga aber setzen auf andere Erkenntnisse.

Unser Gehirn wird schon seit vielen Jahrzehnten akribisch untersucht und bereits 1998 gab der Bio-Physiker Ulrich Warnke zu bedenken, dass nach seiner Ansicht etwa 90% des menschlichen Verhaltens von anderen Einflüssen als der freien Entscheidungsfähigkeit gelenkt wird.

Auch der renommierte Hirnforscher der Bremer Uni, Gerhard Roth, verkündet mit provozierender Aussage, dass das Gehirn bereits vor dem Gedanken entschieden habe, wie es handeln wird. Nach seiner Ansicht unterliegt jeder einer Täuschung, wenn er sich zu einem bewusst handelnden Subjekt bestimmt.

Dr. Christian Fuchs beschäftigen in einem Artikel diese Grundlagenforschungen aus der Sicht moderner Wissenschaftler. Er aber lenkt seine Fragen auch auf den ethischen Aspekt dieser nicht freiwilligen Handlungen und auf die Definition von der Freiheit des Menschen. Weiterhin beleuchtet er durch einige Impulse das vorliegende Thema aus der Sicht indischer Philosophie.

Trifft das Gehirn die Wahl?
Nitzsche befasste sich mit dem freien Willen in der bereits 1888 verfassten Autobiografie „Ecce Homo“. Er erkannte, dass die Begriffe der Sünde und des freien Willens dazu geeignet sind, die Instinkte des Menschen lahm zu legen. Diese Instinkte nannte der Psychoanalytiker Siegmund Freud einst „das Unbewusste“ und bestimmte diese Größe zum Auslöser unseres Handelns.

Extremere Ansichten finden wir bei B.F. Skinner, dem Begründer des Behaviorismus, denn er macht Mensch und Tier zu lernenden Automaten ohne eigene Motive. Ebenso argumentierten auch die Verhaltensforscher Lorenz und Tinbergen, die Instinkten gegenüber bewusster Entscheidung den Vorrang gaben.

All diese Lehren leugnen einen freien menschlichen Willen oder begrenzen ihn zumindest drastisch. In der heutigen Forschung betrachtet man das limbische System, das den Hirnstamm umschließt und sieht hier den Anker unserer Aktionen und Reaktionen. So scheint für die Forscher klar zu sein, dass wir uns unserer Handlung bewusst werden, nachdem wir sie bereits veranlasst haben. All das nimmt der Mensch nach Forschermeinung aber als persönliche Freiheit hin, da er die Reihenfolge nicht wahrnimmt. Die vielen Erkenntnisse der Forschung zu diesem Thema ließen sich noch weithin ergänzen, ohne zu einem anderen Schluss zu kommen.

Dies alles würde bedeuten, dass wir ein nicht für unser Handeln verantwortliches Wesen sind, wenn man die Aussagen auf die Spitze triebe. Wo aber blieben dann in unserem Leben Ethik und Moral? Könnte man uns überhaupt noch „zur Verantwortung ziehen“? Sind wir am Ende doch enger mit den Schimpansen verwandt? Gut, wir teilen mit ihnen viele Fähigkeiten, besitzen Geist und Bewusstsein, haben Vorstellungen, Erinnerungen, planen Handlungsabläufe und kommunizieren – um nur mal einige der Eigenschaften aufzuzählen. Die indische Vedenta-Philosophie aber erkennt weitere Gesetzmäßigkeiten von Freiheit. Zwar werden die Forschungsergebnisse damit nicht negiert, aber neben dieser Wahrheit existiert eben doch noch eine höhere Wahrheit, die all diese Aussagen relativiert.

Wem es also gelingt in die höhere Bewusstseinsebene zu gelangen, dem gelingt der Wandel zu einem vollendeten Bewusstsein seines Selbst. So werden die Ergebnisse der Hirnforschung relativiert. Menschen, die Erkenntnis und Wahrheit erlangen, sind mehr als einfach nur große Affen, sondern verdienen den Namen Homo sapiens, denn schon im lateinischen Namen wird diese Weisheit benannt.

Nach einem Artikel von Dr. Christian Fuchs, gefunden bei Yoga aktuell.

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