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Yoga ist keine Meisterschaft

Nach einer Nackenverletzung im Frühjahr 2009 benötigte Stacey Mietus fast ein ganzes Jahr, bis die Schmerzen und Einschränkungen gänzlich abgeklungen waren.

Diese Einschränkung traf sie umso mehr, da Sportarten wie Klettern, Joggen oder Schwimmen bis zur Erschöpfung zu ihrem Leben dazu gehören. Sie benötigt das Erkennen der Grenzen ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit um ein Glücksgefühl zu empfinden.

Während der Zeit ihrer Genesung musste Stacey erkennen, dass sie mit der gleichen Intention auch an ihre Yogaübungen herangetreten war. Es schien, als seien die Asanas wie eine Wettkampfsportart für sie gewesen: Hier ging es nur darum, wie tief sie sich beugen oder wie lang sie eine Übungsposition halten und selbst, wie weit sie sich drehen konnte. All dies stand zudem immer im Vergleich mit anderen.

So kam es auch bei der Yogapraxis immer wieder zu Verletzungen, ehe sie diese Problematik erkannte. Dieses Erkennen kam eher zufällig zustande, als sie einmal nicht in der Lage war, einen vernünftigen Kopfstand zu machen. Immer wieder hatte sie es versucht und sich zuletzt mit Hilfe zweier Stühle einer modifizierten Variante genähert. Erst da verspürte sie, wie gut diese Übung ihrem Nacken tat und dass es ihr endlich gelang ihren Trapeziusmuskel zu entspannen – und all das ohne große Anstrengung.

So kann man es auch bei B.K.S.Iyengar, in seinem Werk „Der Urquell des Yoga“ lesen, das die Yoga-Sutras des Patanjali beschreibt. Hier erklärt er, dass einem Vogel das Fliegen nur mit zwei Flügeln gelingen kann. Hierin sei die Ähnlichkeit zum Yoga zu finden, denn auch beim Yoga paaren sich Entsagung und Praxis um den Höhepunkt vollendeter Selbsterkenntnis zu erlangen.

Stacey hingegen hatte ihr Augenmerk stets nur auf die Disziplin und Beharrlichkeit ihrer Übungen gerichtet, die man abhyasa nennt. Seit sie weiß, dass vairaga, oder die Entsagung, ein ebenso wichtiger Teil ist, unterlässt sie den wettkampflichen Vergleich mit anderen und grämt sich nicht mehr über eigene körperliche Unzulänglichkeiten. War sie früher wie ein Vogel mit nur einem Flügel, geht sie heute achtsam mit sich um und lernt in ihrer Praxis so das Fliegen mit zwei Flügeln.

Nach einem Artikel von Stacey Mietus, gefunden im deutschen Yoga Journal.

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