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Kerstin Linnartz: Ein Tag in meinem Leben in Indien

„Alle die von Freiheit träumen, sollten´s Feiern nicht versäumen, sollten tanzen auch auf Gräbern. Freiheit, Freiheit ist das einzige, was zählt.“

Ich habe Marius Müller Westernhagens Lied im Ohr und summe es vor mich hin, als ich über schroffe Felsen am Meer entlang klettere. Ich bin auf dem Weg vom OM beach nach Gokarna- zu Fuß. Normalerweise fährt man die Strecke in ca. 20 Minuten mit der Riksha. Aber mir war heute nach Ruhe, etwas Einsamkeit und Abenteuer. „Me- time“ nenne ich das; die brauche ich dringend nach viel Zeit, in der ich permanent Menschen um mich hatte. Und es soll sich herausstellen, dass ich mich in Sachen Abenteuer und Freiheit heute genau richtig entschieden habe.

Im Pilgerort Gokarna im Staat Karnataka habe ich schon bei meinem letzten Besuch wunderbare Spaziergänge entlang der Küste erlebt, hoch auf den Hügeln über den verschiedenen Stränden, die es hier gibt. Die absolute Ruhe hier oben, weit weg vom munteren Treiben unten in der Pilgerstadt, die meist von Indern besucht wird, ist die perfekte Kulisse für tiefe Meditation. Genau das brauche ich heute. Und so habe ich mich entschlossen, nicht den bequemen Weg zu nehmen, sondern mich per pedes aufzumachen. OM beach, der dritte Strand nach Gokarnas Stadtstrand, sieht von oben wunderschön aus und macht seinem Namen alle Ehre: die beiden Buchten sind geschwungen wie ein OM. Als ich weiter Richtung Gokarna laufe, komme ich an einem Süßwasserreservoir vorbei, aus dem ein Einheimischer grade Wasser geschöpft hat, das er nun in einem großen Kanister auf dem Kopf nach hause transportiert- die Steilküste entlang kletternd. Bewundernswert, was diese Leute alles auf ihrem Kopf balancieren können! Ich laufe an einem winzigen „Restaurant“ vorbei: eine kleine Hütte aus Palmblättern direkt auf dem Kliff. Und dann war´s das mit der Zivilisation. Nach etwa einer Stunde merke ich, dass ich wohl nicht den „richtigen“ Fußweg genommen habe, da anstelle eines Pfades nun nur noch große Felsbrocken vor mir liegen. Ich genieße den Weg trotzdem, den Anblick der Wellen, die gegen die Felsen prallen und das einzige Geräusch, das ich höre: das Meer. Vor mir hüpfen riesige Krabben, die ich in ihrer Ruhe störe, ins Wasser. Ich wusste nicht, dass die so springen können. Weiter den „Freiheit“ Song singend, hänge ich meinen Gedanken nach: so lange Du deine Reise genießt, ist es egal, wenn Du manchmal vom „richtigen“ Weg abkommst.

Ein weiterer Song kommt mir in den Kopf, als die Felsen so steil werden, dass ich klettern muß: „The joy of being alone“ von Elisa. Ich denke, wie schön es ist, manchmal allein unterwegs zu sein, mit niemandem diskutieren zu müssen, ob es nun der richtige Weg ist oder ob man umkehrt, weil das Klettern an der Steilküste zu gefährlich ist. Ich folge einfach meinem Instinkt. Und der sagt mir, dass die Felsen nun wirklich zu steil werden und es hier nicht weiter geht. Ich klettere wieder runter und finde es nicht im Geringsten schlimm, dass ich nun etwa 20 Minuten wieder zurück laufen muß. Freiheit ist hat manchmal unbequem. Aber so bekommst Du vielleicht Schönheit zu sehen, die denen verwehrt bleibt, die sich auf die komfortable Variante und die vorgefertigten Wege beschränken. Auf neuen Pfaden kannst Du wirklich Neues entdecken. Ich liebe meine Freiheit und genieße den Anblick der Natur um mich herum, ganz sicher, dass hier noch nicht viele Menschen entlang gelaufen sind und ganz bestimmt niemand meine Me- time stören wird.

Ich versuche einen anderen Weg und klettere vor den Felsen den Berg hinauf. Ich finde mich in einem Dschungel aus Palmen, dornigen Büschen und Gestrüpp wieder, das auf Geröllboden wächst. Jetzt wird es in der Tat unbequem. Bei jedem Schritt hinauf muß ich aufpassen, dass der Boden unter mir nicht nachgibt. Meine Hände greifen nach festen Felsvorsprüngen, die sich manchmal als lose Steine entpuppen und herausbrechen. Ich bin naß geschwitzt, doch genieße meine Reise immer noch. Schon lange hab ich mich nicht mehr so lebendig gefühlt. Die Klarheit und Wachheit, die ich gerade brauche, um nicht abzustürzen und das Adrenalin, das mein System ausschüttet, sind wundervoll. Ich erinnere mich an ein Zitat, das ich einmal in einem Buch von Swami Sivananda gelesen habe. „You have got to stay insisting and persistent in aiming towards the goal.“ Er bezog sich damals auf die Erkenntnis bei der Suche nach Gott und dem Sinn des Lebens. Ich spüre, wie ich gerade genau diese Qualitäten trainiere, denn Umkehren kommt nicht infrage. Ich bleibe dran und bestehe auf meinem Weg. Mir ist klar, dass ich umkehren könnte und es viel gemütlicher nach Gokarna schaffen könnte. Aber ich weiß auch, dass es hier entlang geht. Bei jedem Schritt passe ich auf, dass sich kein Fels löst oder dass ich auf keine Schlange trete. Dornen kratzen meine Haut auf, als ich mich durch die Büsche kämpfe. Und endlich komme ich oben an. Ich blicke auf die wunderschöne Küste direkt unter mir und schon jetzt hat sich der Weg gelohnt. Als ich mich umdrehe, erwarte ich den Abstieg zum Kudle- beach, der nach meinen Berechnungen hinter dem Kliff liegen müsste. Doch Fehlanzeige: es tut sich ein weiteres Kliff auf, das noch dichter bewachsen ist. Augen auf und durch… Ich Vertraue auf meinen Instinkt. Ich liebe meine Freiheit. Und ich bin dankbar für das Wissen, dass da jemand ist, der mich liebt und auf mich wartet und mir diese Freiheit gibt, in der ich genau diese Dinge erleben kann.

Eine gute Stunde später sitze ich auf dem Berg über Gokarna, blicke auf die Stadt hinunter und freue mich, die Menschen dort nur zu sehen und nicht zu hören. Es macht mich ein wenig stolz zu wissen, dass wohl niemand meinen Weg heute hierher genommen hat und dass ich es trotz allem geschafft habe. Ich nutze die wundervolle Ruhe für eine tiefe Meditation. Als ich meine Augen öffne, fliegen vier Adler nur etwa zwei Meter über meinem Kopf im Wind. Dieses Bild hatte ich schon oft im Kopf. Die Meister sagen, wenn Deine Visionen wahr werden, bist Du auf dem richtigen Weg. Ich weiß, wie die Adler sich fühlen. Frei.

Sonne und Freiheit aus Indien, Kerstin

Kerstin Linnartz lebt im Winter in Indien, wo sie mit ihrem Partner ein Yoga Resort betreibt. Neben dem Unterrichten von Yoga Retreats, Workshops und Klassen versucht sie, so viel wie möglich in ihrem Lieblingsland zu reisen, verbringt regelmäßig Zeit in Ashrams und mit ihren Lehrern. In den Sommermonaten bietet sie auch in Europa Yoga Retreats und Workshops an. Mehr Infos dazu unter www.be-better.eu

Infos zum Resort in Indien: www.themandalagoa.com

1 Kommentar Kommentar abgeben

  • 1. Webperlen: Blogger schrei&hellip  |  11. Mai 2011 um 20:26

    [...] Nicht nur wir organisieren Reisen nach Goa. Auch Kerstin L. reist zum Yoga nach Goa und nimmt Reisende mit. Goa hat viel mit Freiheit und Träumen zu tun. „Alle die von Freiheit träumen, sollten´s Feiern nicht versäumen, sollten tanzen auch auf Gräbern. Freiheit, Freiheit ist das einzige, was zählt.“ sing Marius Müller-Westernhagen. Erlebe einen Tag in Indien mit Kerstin. [...]

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