Leidenskonfrontation ist besser als Flucht
Heute ist Claude AnShin ein Bettel-und Wandermönch der Zentradition und das Pilgern gehört für ihn zu den wichtigsten Erfahrungen auf dem Weg vom alten Leben in ein gänzlich Neues. Diese Erfahrungen teilt er mit anderen durch sein autobiographisches Werk „Am Tor zur Hölle – Der Weg eines Soldaten zum Mönch“. Neben seiner schreibenden und pilgernden Tätigkeit ruft er immer wieder Menschen auf, an seinen Straßenretreats teilzunehmen und sich dort auf völlig neue Erlebnisse einzustellen.
Für nahezu alle Teilnehmer ist das eine große Herausforderung, denn diese fünftägigen Retreats fordern ein Leben auf der Straße und den Verzicht auf das, was für uns in der modernen Welt selbstverständlich erscheint. Körper- und Zahnhygiene und frische Kleidung sind während dieser Phase ausgeschlossen.
Klar, dass all dieser Komfort bei einem Leben ohne Obdach nicht zur Verfügung steht. Claude AnShin Thomas aber setzt voraus, dass die Menschen schon zuvor fünf Tage lang auf Hygiene und frische Kleidung verzichten. Dann kann das gemeinsame Abenteuer auf dem Weg zu sich selbst beginnen. Tägliche Meditation am Morgen und am Abend und der wiederholte Kontakt zur normalen Gesellschaft bei der Bitte um Essen und andere Notwendigkeiten und das Übernachten im Freien – daraus besteht ein solches Straßenretreat, für das die Teilnehmer sich wirklich freiwillig entscheiden.
Wo bleiben da die Ängste, die sich schon beim ersten Gedanken einstellen? Claude AnShin verspricht, dass diese schnell in den Hintergrund treten und andere Dinge viel wichtiger werden, bei einem Leben auf der Straße. Er selbst sieht sich als verantwortlicher Begleiter, der die Teilnehmer anleitet und ihnen Aufgaben stellt, die sie bewältigen müssen. Und er verspricht, dass unsere angsterzeugenden Vorstellungen von diesem Leben eher Fiktion als Wirklichkeit sind. Was wir da in unseren Gedanken konstruieren hat nichts mit der Realität zu tun. Diese Ängste sind die Lähmungserscheinungen unseres Alltags und es gilt, sie zu umarmen um ihre genaue Herkunft zu erkennen.
Seine eigene Lebensentwicklung vom Soldaten zum praktizierenden Buddhisten macht Thomas aber nicht zwingend an seiner ungewöhnlichen Laufbahn fest. „Das große „Was wäre wenn“, gehört zu den Stolperfallen unseres Daseins und blockiert uns statt uns voranzubringen. Vor dem Leid fortzulaufen ist ohnehin keine Lösung, vielmehr sollten wir es als Wendepunkt erkennen.
Nach Auszügen eines Interviews von Judith Becker für das deutsche Yoga Journal.








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