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Ausstieg auf Zeit dank Ayurverda – eine
Ayurveda-Kur im nordindischen Ananda-Hotel bedeutet Lust am Verbot
Ein bisschen Öl über den Kopf
fließen lassen, edel zubereitete, frische Delikatessen naschen
und exotischer Kolonial-Flair – so stellen sich viele Menschen
eine mehrwöchige Ayurveda-Kur in Indien vor. Freilich sind diese
Vorstellungen nicht ganz abwegig, aber sie decken nur einen Bruchteil
der Erfahrungen ab, die Gäste im Ananda-Hotel nördlich
von Dehli am Fuß des Himalayas machen. |
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Das Hotel ist Luxusklasse,
die Küche exzellent, die Therapeuten bestens qualifiziert, und
trotzdem ähnelt der Aufenthalt in keinen Punkten einer Wellness-Woche
am Tegernsee. Wer ins Ananda kommt, von dem wird Disziplin, Gehorsam
und echtes einlassen auf Ayurveda verlangt. Erstes Zeichen für
alle Neuankömmlinge ist, dass alle Gäste, das gleiche weiße
Leinengewand tragen. Wer seine Garderobe ausführen will, ist
hier fehl am Platz. Äußerlichkeiten zählen nicht.
Alle Gäste sind gleich im Bezug auf ihr Aussehen und im Bezug auf
die Aufmerksamkeit, die ihnen von den Therapeuten entgegengebracht wird.
Gleichheit bedeutet jedoch nicht, dass alle das gleiche Programm durchlaufen.
Im Gegenteil. Bereits am ersten Tag sorgt ein mehrstündiger Besuch
beim hoteleigenen Ayurveda-Arzt dafür, dass der Gast individuelle,
ausführliche Diagnose erfährt, welchem Typ er zuzuordnen ist.
Es gibt den Vata-, Kapha- und Pitta-Typ. Darauf aufbauend werden der
Ernährungsplan und die Anwendungen zusammengestellt. Einige Grundregeln
gelten für alle, die strikt zu befolgen sind. Kein Nikotin, kein
Alkohol, kein Fleisch und strenge Einhaltung aller Termine.
Schon nach wenigen Tagen haben sich die meisten Gäste in den Rhythmus
der Kur angepasst. Der Wunsch, das Hotel zu verlassen, besteht kaum.
Fast lethargisch werden Mahlzeiten eingenommen und Anwendungen besucht.
Höhepunkt ist die Synchronmassage durch zwei Therapeutinnen. Die
Welt außerhalb des Ananda entschwindet immer weiter, die Lust am
Verzicht immer größer. Und das beste Ergebnis der Ayurveda-Kur:
die Gäste freuen sich wieder auf das normale Leben und haben seine
Genüsse, die im Ananda verboten waren, neu zu schätzen gelernt. |
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